KSheute300x200(Foto: Das Bauwerk heute)

Rhens im Mittelpunkt der deutschen Geschichte des Spätmittelalters

Im Spätmittelalter, dem Zeitalter des deutschen Wahlkönigtums, dessen Beginn auf das Jahr 1273, dem Wahljahr Rudolfs von Habsburg, datiert wird, verlagerte sich der Schwerpunkt des Heiligen Römischen Reiches zunehmend ins Rheinland. Dabei fiel Rhens aufgrund seiner Nähe zu den hier unmittelbar aneinan-der grenzenden Territorien der Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln und des Pfalzgrafen bei Rhein eine besondere reichspolitische Bedeutung zu.

Im Nussbaumgarten zu Rhens (heute Gelände des Rhenser Brunnens) pflegten sich damals die Kurfürsten regelmäßig zu versammeln, um über Angelegenheiten des Reiches zu beraten. Hier fasste auch im Jahre 1338 der “Kurverein zu Rense“ den Beschluss, dass ein rechtmäßig von den Kurfürsten gewählter römisch-deutscher König weder der Ernennung noch der Billi-gung oder Zustimmung des Papstes bedürfe, um den Königstitel zu führen und die Verwaltung im Reich auszuüben.

Wahlstätte Rhens - 1346

Im Jahre 1346 wurde Rhens erstmals Wahlstätte, als dort das Kurfürstenkollegium Karl von Böhmen aus dem Hause Luxemburg zum neuen römisch-deutschen König wählte. Der spätere Kaiser Karl IV. gilt als einer der großen Friedensfürsten im mittelalterlichen Europa.

Die von ihm 1356 verkündete “Goldene Bulle“, benannt nach dem in der königlichen Kanzlei verwendeten goldenen Siegel, in der erstmals und endgültig die Modalitäten der Königswahl und die Rechtsstellung der Kurfürsten geregelt wurden, galt als das bedeutendste Reichsgesetz des Heiligen Römischen Reiches.

Karl IV. -1376

Karl IV. war es auch, der 1376, zwei Jahre vor seinem Tod, mit Zustimmung der Kurfürsten verfügte, an deren Versammlungsort im Nussbaumgarten zu Rhens ein “steynen gestuel“ – den späteren Königsstuhl - zu errichten.

Karl IV. hatte in Erinnerung an seine Wahl in Rhens die Rhenser Bevölkerung  per Edikt "ermuntert", den Königsstuhl zu erbauen, und er beschied, dass der jeweils gewählte König auf dem Weg von der Wahlstatt Frankfurt zur Krönungsstadt Aachen in Rhens den Königsstuhl besteigen sollte, um sich dort erstmals nach der Wahl dem Volk zu zeigen.

Mit diesem kaiserlichen Edikt war für Rhens ein wichtiges Privileg verbunden, nämlich die Zollfreiheit vom kurkölnischen Rhens in das kurttrierische Koblenz und das Marktrecht in Koblenz.

Karl IV. im Geschichtsbewusstsein der Deutschen zu erhalten, hat drei wichtige Gründe:

  • Karl IV. war der erste, der mehrheitlich nach der Wahlordnung des Rhenser Kurvereins von1338 gewählt wurde.
  • Er ist Begründer der ersten deutschsprachigen Universität in Prag.
  • Er ist Verfasser der ersten geschriebenen Reichsverfassung, die bis zur Abdankung des Habsburger Kaisers 1806 gültig war und als "Goldene Bulle" in der Geschichte bekannt ist.

Ruprecht von der Pfalz - 1400

Am 21. August des Jahres 1400, dem Tag nach der Abwahl von König Wenzel in Oberlahnstein, wurde der 1352 in Amberg geborene Wittelsbacher Ruprecht von der Pfalz von den Kurfürsten in Rhens zu dessen Nachfolger gewählt und auf dem wenige Jahre zuvor fertig gestellten Königsstuhl zum “König erhoben“. Nach dem Tode Ruprechts im Jahre 1410 und dem fortschreitenden Verlust der Vorrangstellung der rheinischen Kurfürsten verlor auch der Königsstuhl zuneh-mend seine Bedeutung.

Heutiger Standort - 1929

Das immer mehr verfallende und von den französischen  Revolutionstruppen Ende des 18. Jahrhunderts fast völlig zerstörte Bauwerk wur-de schließlich im Jahre 1808 im Zuge des von Napo-leon veranlassten Ausbaus der Landstraße von Koblenz nach Mainz, der heutigen B9, vollends abgetragen.

1842 wurde der Königsstuhl - von der preußischen Regierung unterstützt und mit Spendenmitteln aus ganz Deutschland gefördert - in unmittelbarer Nähe des ursprünglichen Standortes wiedererrichtet, bevor er  schließlich im Jahre 1929 endgültig an seinem jetzigen Standort auf die Anhöhe Schawall oberhalb von Rhens versetzt wurde. 

Seit 2002 ist der Königsstuhl Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.